Antijagdtraining für Hunde

Wie man mit jagdlich ambitionierten Hunden umgehen kann, um ihnen trotzdem ausreichend Freilauf zu ermöglichen möchten wir in diesem Blog-Beitrag genauer beleuchten. Vanessa Bock und ich möchten euch einen kleinen Einblick darauf geben, wie wir mit unseren jagdlich ambitionierten Hunden im Alltag umgehen.

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Jagdverhalten beim Hund

Das Jagdverhalten bei unseren Hunden kommt aus dem Funktionskreis für den Erwerb von Nahrung, und ist somit ganz fest in der Genetik verankert. Es besteht aus mehreren Sequenzen, die eine Verhaltenskette ergeben:

Orientieren

Dein Hund läuft entspannt neben dir und plötzlich merkst du wie er eine angespannte Körperhaltung annimmt. Dein Vierbeiner kann auch in der Bewegung verharren und regelrecht einfrieren, und seine Sinnesorgane sind auf einen ganz bestimmten Punkt gerichtet.

Fokussieren

Sobald dein Vierbeiner nun das Wild riecht oder sieht, wird er seine Körperspannung noch mehr erhöhen, sein Kopf ist nun auf einer Linie mit dem Rücken und der Rute, direkt auf den Auslöser gerichtet! Eventuell wird dein Hund auch eine Vorderpfote anheben, und kommt somit in das sogenannte Vorstehen.

Beschleichen

Nach der endgültigen Ortung des Wildes, bewegt sich dein Hund sehr langsam mit Blick auf die Beute zu. Er trägt nun seine Rute weiter unter, und versucht so leise wie möglich seine Beute zu beschleichen.

Hetzen

Wenn die Beute zu fliehen beginnt läuft dein Hund ihr hinterher. Dabei ist seine Körperspannung noch immer sehr hoch, je nach Hunderasse kann auch ein sogenannter „Spurlaut“ gegeben werden, dieser soll dem Jäger zeigen wo sich das Wild gerade befindet.

Packen

Dein Hund packt die Beute mit weitgeöffnetem Fang und hält sie fest! Dabei trägt er Kopf und Rute hoch, und wirft ggf den Kopf in den Nacken, wenn er seine Beute schüttelt beim umhertragen.

Töten/Zerlegen/Fressen

Nun wird die Beute festgehalten, zerlegt und gefressen. Sobald ein Hund diese Verhaltenskette startet, wird Dopamin ausgeschüttet, somit steigt die Erregung bei jeder Sequenz immer mehr an! Wenn die Beute erlegt ist, er beginnt sie zu zerlegen und zu fressen, sinkt die Dopaminausschüttung wieder und Endorphine werden ausgeschüttet! Es ist also ein Verhalten, welches einen selbstbelohnenden Charakter hat. Nicht alle Hunde zeigen alle Sequenzen dieser Verhaltenskette, da sie für bestimmte Zwecke gezüchtet wurden.

Vanessa Bock erzählt über das Antijagdtraining mit Ihrer Hündin

Dhalia ist ein Gaglo Español – Mischling. Diese Rasse wird in Spanien zur Hasenjagd gezüchtet und gehört zu den Windhunden und somit zu den Sichtjägern. Sie sind darauf selektiert, auf Bewegungsreize (zum Beispiel ein davon hoppelnder Hase) zu reagieren und der Beute dann blitzschnell hinterher zu hetzen und diese zu packen. Diese Eigenschaften und das freiheitsliebende Wesen der Windhunde bringen natürlich einige Besonderheiten für den Freilauf mit. Dhalia
kommt außerdem aus dem Tierschutz und war bereits 4 Jahre alt, als sie zu mir kam.

Die richtige Bindung ist das Um und Auf

Ganz wichtig war hier also zunächst einmal eine Bindung aufzubauen bevor man überhaupt an einen Spaziergang im Freilauf denken konnte. Zunächst habe ich also mit ihr indoor täglich Übungen wie Blickkontakt, Rückruf vom Wohnzimmer ins Schlafzimmer etc. trainiert. Ich habe mit ihr auch sehr früh indoor mit dem Dummy Training begonnen. Dieses Training hat sich dann für den Freilauf als sehr nützlich erwiesen, da sie dadurch schon gelernt hatte, mit mir zu kooperieren um zum Erfolg zu kommen.

Richtiges Verhalten muss sich lohnen

Wenn wir nun draußen unterwegs waren und mir Dhalia von sich aus ihre Aufmerksamkeit geschenkt hat wurde dies auch jedes Mal mit viel Ansprache, Lob oder Leckerli belohnt. Durch diesen Aufbau von Kommunikation, Kooperation und Bindung hat Dhalia sehr schnell verstanden, dass es sich auch außerhalb der Wohnung, lohnt immer in meiner Nähe zu bleiben und hat quasi von selbst angefangen einen angemessenen Radius beim Spazieren gehen zu halten.

Sei spannender als deine Umgebung!

Wenn wir jetzt gemeinsam unterwegs sind übe ich trotzdem bei JEDEM Spaziergang den Rückruf. Dieser wird auch weiterhin sehr großzügig und variabel belohnt. Das ist für Dhalia natürlich ein weiterer Anreiz mit ihrer Aufmerksamkeit bei mir zu bleiben. Außerdem habe ich Dhalia (mittels der Schleppleine) beigebracht nur auf den Wegen zu gehen. Erst nach meiner Freigabe darf Dhalia auf bestimmten Wiesen auf unserer ritualisierten Stecke mal richtig Gas geben. Oft albere ich dann dort auch gemeinsam mit ihr umher oder baue ein paar kleine Übungen ein. Wichtig ist aber trotzdem, dass ich mit meiner Aufmerksamkeit immer vollkommen bei ihr und bei unserer Umgebung bin. So ist es schon öfters vorgekommen, dass ich den Hasen oder das Reh schon vor ihr entdeckt hab und sie noch rechtzeitig zurückrufen und anleinen konnte (gerade in diesen Momenten ist es soo wichtig, dass der Rückruf wirklich sitzt!).

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Mit jagdlich motivierten Hunden den Freilauf trainieren

Ich lebe mit drei Terriern zusammen, wovon zwei jagdliche Ambitionen hegen! Um ihnen trotzdem die Möglichkeit des freien Laufens zu ermöglichen, gibt es bei uns eine klare Struktur beim Spaziergang. Wir gehen auf verschiedenen Abschnitten der Donauinsel spazieren, da ich dort einen guten Überblick habe. Die Mädels dürfen nicht auf die Wiesen und in die Windschutzgürtel laufen, um zu verhindern, dass sie Spuren aufnehmen und Wild aufschrecken. Ich bin immer zu 100% auf meine Vierbeiner konzentriert und achte genau darauf, wie sie sich verhalten. Im Freilauf dürfen sie sich nicht weiter als 10 Meter von mir entfernt sein – das habe ich mit einer Schleppleine trainiert. Jedes noch so kleine Anzeichen einer Umorientierung zu mir wurde und wird sofort belohnt und gelobt.

Jagdliches Verhalten erst garnicht entstehen lassen

Es gibt Strecken bei unseren Spaziergängen auf denen die Mädels laufen und spielen dürfen, die restliche Zeit wird geschnüffelt und gemeinsam mit mir Neues entdeckt. Sie zeigen mir tolle Steine, lange Äste, Spuren uvm, ich interessiere mich dafür und belohne sie dann auch sehr überschwänglich. Warum? Weil ich möchte, dass meine Hunde ihre Zweibeinerin für so cool wie möglich halten. Denn wenn sie das tun, ist die Chance geringer dass sie auf jagdliche Gedanken kommen.

Das passende Antijagdtraining für dich und deinen Hund

Man kann also auch mit jagdlich motivierten Hunden den Freilauf trainieren, es ist allerdings harte Arbeit und man muss immer auf den Hund fokussiert sein! Falls du Unterstützung beim Antijagdtraining mit deinem Hund brauchst, helfe ich dir gerne weiter. Schreib mir einfach eine E-Mail, ich freue mich auf deine Anfrage!

Dein Welpencoach Romana Stieglecker

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