Gute Hundebegegnungen auf dem Spaziergang

- was DU dazu beitragen kannst

Wenn wir über Hundebegegnungen sprechen, liegt der Fokus oft auf unseren Hunden, doch ein entscheidender Faktor wird dabei häufig übersehen – wir selbst. Trainerin Alina Mosonyi erzählt dir, warum es sich lohnt, den Blick einmal bewusst auf das andere Ende der Leine zu richten.

Gute Hundebegegnungen auf dem Spaziergang – was DU dazu beitragen kannst

Wenn wir über Hundebegegnungen sprechen, liegt der Fokus oft auf unseren Hunden: Was können sie? Was können sie (noch) nicht, was muss noch trainiert werden? Wie reagieren sie auf Andere? Doch ein entscheidender Faktor wird dabei häufig übersehen – wir selbst. Es lohnt sich, den Blick einmal bewusst auf das andere Ende der Leine zu richten: Denn gute Begegnungen entstehen nicht nur durch gut sozialisierte Hunde, sondern vor allem auch durch achtsame, vorausschauende Menschen.

Perspektivwechsel: Du bist immer Teil der Begegnung

Begegnungen sind nie nur „Hund trifft Hund“. Es ist immer auch ein Aufeinandertreffen von zwei Menschen – mit Stimmung, Körpersprache und Verhalten. Unsere Hunde sind hochsoziale Tiere und wir meist ihre engsten Sozialpartner:innen; sie orientieren sich stark an uns! Das bedeutet: Dein Verhalten beeinflusst die Situation maßgeblich, egal ob im Freilauf oder an der Leine.

Vorausschauend spazieren gehen

Nicht jeder Tag ist gleich – weder für dich noch für deinen Hund. Es macht einen großen Unterschied, ob ihr ausgeruht und aufnahmefähig seid oder eher gestresst und erschöpft. Entsprechend dürfen Route, Dauer und Umgebung angepasst werden. An manchen Tagen ist es absolut sinnvoll, stark frequentierte Wege zu meiden, damit es gar nicht erst zu zu vielen Begegnungen kommt. Das ist kein Rückschritt, sondern kluges Management.

Manchmal ist weniger einfach mehr.

Im Hier & Jetzt sein

Ein Spaziergang ist eure gemeinsame Zeit.
Das heißt auch:

  • Aufmerksamkeit bei deinem Hund
  • Wahrnehmung der Umgebung
  • Handy weg, Fokus an

Viele schwierige Situationen entstehen, weil wir sie zu spät bemerken.

In Umgebungen mit vielen Hunden gilt:

  • Keine anspruchsvollen Trainingsaufgaben, die viel Impulskontrolle verlangen
  • Keine hochwertigen Ressourcen wie Lieblingsspielzeug auspacken oder aufwendige Futtersuchen am Boden machen

Beides bringt zusätzlich Spannung in ohnehin herausfordernde Situationen und bringt deinen Hund vielleicht sogar in einen Motivationskonflikt: er kann sich nicht auf beides gleichzeitig konzentrieren!

Ressourcenverteidigung ist ein ganz natürliches Verhalten und kann dazu beitragen, dass Hundebegegnungen ganz anders bewertet werden, als wenn keine Ressource im Spiel wäre.

Situationen früh erkennen und handeln

Gute Begegnungen beginnen lange vor dem direkten Kontakt: Siehst du ein anderes Mensch-Hund-Team? Versuche sie schon von Weitem einzuschätzen und achte auf die Signale deines Hundes und die des fremden Hundes: wie reagieren eure Hunde aufeinander? Macht jemand Tendenzen des Ausweichens? Möchte das fremde Mensch-Hund Team Kontakt? An welcher Örtlichkeit befinden wir uns? Ist mein Hund oder der fremde Hund angeleint? In solchen Momenten hilft es, flexibel zu bleiben: vielleicht einen Bogen laufen, das Spielzeug wegpacken, den Hund anleinen oder einfach etwas Abstand schaffen. Ebenso wichtig ist es, das entgegenkommende Mensch-Hund-Team im Blick zu behalten. Auch dort wird kommuniziert – manchmal subtil, aber dennoch deutlich.

Deine Körpersprache zählt

Hunde lesen uns ständig. Kleine Veränderungen machen einen großen Unterschied:

  • Tempo verlangsamen
  • Nicht frontal aufeinander zulaufen
  • Deinen eigenen Körper leicht abwenden
  • Weicher Gesichtsausdruck, entspanntes, freundliches Auftreten
  • Fremde Hunde nicht anstarren

Das wirkt oft deeskalierend – ganz ohne Worte.

Das Prinzip der self-fulfilling prophecy…

…gilt auch hier!
Wenn du mit Anspannung in eine Begegnung gehst, überträgt sich das auf alle Beteiligten. Wenn du daran glaubst, dass Begegnungen entspannt und positiv ablaufen können, verändert sich dein Verhalten – und damit oft auch der Verlauf. Anspannung und Entspannung dürfen sich abwechseln, auch während einer einzigen Begegnung!

Und selbst wenn eine Begegnung einmal nicht optimal läuft, versuche selbst ruhig, freundlich und souverän zu bleiben, auch wenn dein Puls vielleicht ins Unermessliche steigt. Wichtig ist: sei’ da für deinen Hund und unterstütze ihn! Versuche gleichzeitig zu vermeiden, zusätzlichen Druck oder unangenehme Erfahrungen oben drauf zu setzen und die Situation dadurch noch negativer aufzuladen. Begleite deinen Hund stimmlich durch die Begegnung und nimm’ Kontakt zum Menschen auf, damit bede Parteien rechtzeitig eingreifen können, sollten die Hunde voneinander getrennt werden müssen. Nach einer stressigen Hundebegegnung kannst du gezielt für Stimmungsveränderung bei deinem Hund und dir selbst sorgen: geht auf Abstand und unternehmt gemeinsam eine Aktivität, die für positive Gefühle sorgt: ein gemeinsames Spiel, ein paar Tricks üben, die euch beide Spaß machen (ganz ohne Druck) oder eine kleine Futtersuche.

Begegnungen sind immer ein Zusammenspiel.

Dein Hund orientiert sich an dir – an deiner Stimmung, deiner Bewegung, deiner Haltung. Du kannst deinem Hund Sicherheit geben, indem du selbst achtsam, klar, ruhig und vorausschauend handelst.

Denn am Ende gilt:

Gute Begegnungen entstehen nicht zufällig – du kannst das soziale Vorbild für deinen Hund sein!

Die Autorin Alina Mosonyi stellt sich vor:

Ich bin Alina, hauptberufliche tierschutzqualifizierte Hundetrainerin in Wien. Ich biete unter dem Namen Prodog ein breites Trainingsangebot an, neben Alltagstraining auch Social Walks, Hundewanderungen, Zughundesport sowie spezielle Hundebegegnungstrainings, bei denen ich gemeinsam mit meiner Kollegin Katharina Aigner ein spezielles Konzept entwickelt habe, bei dem du und dein Hund ganz gezielt an Hundebegegnungen üben könnt.