Warum diese Frage oft in die falsche Richtung führt:
„Wie kann ich meinem Welpen das abgewöhnen?“
Viele Ersthundehalterinnen stellen sich früher oder später dieselbe Frage: „Wie kann ich meinem Welpen oder Junghund Verhalten XY abtrainieren?“
Vielleicht springt dein Hund Besucher an, zieht an der Leine, jagt Vögeln hinterher oder buddelt mit Begeisterung den Garten um. Das kann im Alltag herausfordernd sein – und natürlich wünschst du dir, dass sich dieses Verhalten möglichst schnell ändert.
Doch bevor wir darüber sprechen, wie ein Hund etwas nicht mehr tun soll, lohnt sich eine viel wichtigere Frage: Welches Verhalten möchtest du stattdessen sehen?
Nicht nur unerwünschtes Verhalten stoppen – sondern Alternativen schaffen
Hunde lernen nicht dadurch, dass sie einfach wissen, was sie nicht tun sollen. Sie lernen vor allem durch Erfahrungen und durch das, was sich für sie lohnt.
Deshalb ist es im Training viel sinnvoller, deinem Hund eine klare Alternative beizubringen. Anstatt nur zu versuchen, das Anspringen zu verhindern, kannst du deinem Hund zeigen, wie er Menschen ruhig begrüßt. Statt dem Hinterherjagen von Vögeln kannst du belohnen, wenn dein Hund sich an dir orientiert oder ruhig stehen bleibt.
Je klarer dein Hund weiß, welches Verhalten erwünscht ist, desto leichter kann er es im Alltag zeigen.
Management: Erfolg beginnt oft schon vorher
Ein Punkt, der häufig unterschätzt wird, ist das sogenannte Management.
Management bedeutet, die Umgebung so zu gestalten, dass dein Hund möglichst wenig Gelegenheit hat, unerwünschtes Verhalten überhaupt zu zeigen.
Warum ist das so wichtig?
Jedes Verhalten, das ein Hund immer wieder erfolgreich ausführen kann, wird mit der Zeit gefestigt. Hat dein Junghund täglich die Möglichkeit, Joggern hinterherzulaufen oder immer wieder Besucher anzuspringen, wird genau dieses Verhalten zur Gewohnheit.
Das bedeutet nicht, dass dein Hund nichts lernen kann – aber der Lernprozess wird unnötig erschwert.
Gutes Management schafft dagegen die besten Voraussetzungen dafür, dass dein Hund neue, erwünschte Verhaltensweisen lernen kann.
Viele Verhaltensweisen sind völlig normal
Gerade als Ersthundehalterin ist es wichtig zu wissen:
Nicht alles, was uns Menschen stört, ist für Hunde problematisch.
Viele Verhaltensweisen gehören ganz selbstverständlich zum natürlichen Verhaltensrepertoire eines Hundes. Dazu gehören zum Beispiel:
- Jagen und auf Bewegungsreize reagieren
- Buddeln
- Anspringen aus Freude oder Aufregung
- Neugieriges Erkunden der Umwelt
Dein Hund möchte dich damit nicht ärgern oder provozieren. Er zeigt schlicht Verhalten, das für ihn ganz natürlich ist.
Unsere Aufgabe besteht deshalb nicht darin, diese Bedürfnisse komplett zu unterdrücken, sondern unserem Hund passende Alternativen beizubringen und ihn dabei zu unterstützen, gute Entscheidungen zu treffen.
Proaktives Training zahlt sich aus
Der größte Fehler ist oft, erst dann mit dem Training zu beginnen, wenn das Problem bereits entstanden ist.
Dabei kannst du schon im Welpenalter unglaublich viel dafür tun, dass sich erwünschtes Verhalten entwickelt.
Nutze die kleinen Momente im Alltag und belohne deinen Hund, wenn er:
- Vögel oder andere kleine Tiere wahrnimmt und trotzdem bei dir bleibt.
- andere Hunde ruhig beobachtet.
- entspannt an Menschen vorbeigeht.
- Besucher mit vier Pfoten auf dem Boden begrüßt.
- sich freiwillig an dir orientiert.
Genau diese unscheinbaren Situationen sind wertvolle Lernmomente.
Verhalten, das sich lohnt, wird häufiger gezeigt
Dieser Grundsatz begleitet jedes erfolgreiche Hundetraining.
Wenn dein Hund erlebt, dass ruhiges Verhalten, Orientierung an dir und gute Entscheidungen regelmäßig belohnt werden, wird er genau diese Verhaltensweisen immer häufiger zeigen.
Deshalb lohnt es sich, den Blick weg vom Problem und hin zu den kleinen Erfolgen zu richten.
Anstatt ständig zu überlegen, wie du deinem Hund etwas abgewöhnen kannst, frage dich lieber:
„Was wünsche ich mir stattdessen – und wie kann ich meinem Hund helfen, genau dieses Verhalten zu lernen?“
Mit diesem Perspektivenwechsel legst du den Grundstein für ein entspanntes Zusammenleben – und schaffst von Anfang an eine vertrauensvolle Basis zwischen dir und deinem Welpen oder Junghund.